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Flensburger Tagblatt - 7. September 2002

"La Bohème" als singende Wohngemeinschaft

Operrapremiere im Flensburger Stadttheater

Es soll keine rührselige Liebesgeschichte werden, und Pariser Postkartenansichten kommen auch nicht auf die Bühne. Wenn sich heute Abend in Flensburgs Stadttheater der Vorhang zur Premiere von Giacomo Puccinis "La Bohème" hebt, will Operndirektor und Regisseur Harald Höferl etwas anderes zeigen.

Dramitik: Rodolfo und Mimi (Photo Jahr)"In dem Stück geht es um vier mittellose junge Leute, die in einer Art Wohngemeinschaft leben", sagt Höferl... alles Typen, die aus ihrer Armut und Erfolglosigkeit in eine Scheinwelt fliehen und doch an der Realität scheitern."

Für Höferl sind die vier Freunde - der Dichter Rodolfo, der Maler Marcello, der Musiker Schaunard und der Philosoph Collin - Menschen am Rande der Gesellschaft. Und als die schöne, aber kranke Mimi in ihre Welt einbricht und sich in Rodolfo verliebt, wird aus dem Stück eine Oper der Sprachlosigkeit.

La Bohème als singende Wohngemeinschaft - Flensburger Tagblatt - 7. September 2002"Das ist absolut zeitlos und aktuell", findet der Regisseur. Deshalb hat er die Oper von der Ausstattung her in die Zeit der Zwanziger Jahre verlegt, "wo Armut herrschte und wo auch heute noch die Empfindung da ist, dass das schwere Christoph Kalies Zeiten waren." Drangvolle Enge in der Dachkammer, verwinkelte Gassen des "Quartier Latin"--- das sind clic Bilder, die Höferl zeigen will.

Die Beziehung zwischen Rodolfo und Mimi scheitert für Höferl vor allem daran, dass beide ihre Gefühle nicht aussprechen können. "Die kommen zusammen, trennen sich, kommen wieder zusammen und finden nie eine realistische Perspektive fair ihre Beziehung." Dass Mimi am Ende stirbt, geschieht nicht wegen ihrer Krankheit. Vielmehr stirbt sie am gebrochenen Herzen, weil es mit Rodolfo einfach nicht klappt. "Das ist es, was Puccini zeigen wollte", so Höferl, "auch wenn er alles in eine ungeheure Melodienseligkeit packt."

Dabei gilt ihm der Schluss, wenn Rodolfo die Realität von Mimis Tod einfach nicht verarbeiten kann, als einer der erschütternsten in der ganzen Operngeschichte. "Nur diese zwei Aufschreie Rodolfos angesichts seiner toten Geliebten. Dieses Mimi! Mimi!' ohne jedes Aussingen oder Ausbreiten, das ist ungemein bewegend."

Premiere. Heute Abend, 20 UhrTheater Flensburg. In italienischer Sprache.